Logotipo

Tagesgeld ING oder Commerzbank: Wer zahlt mehr Zinsen?

3,20 % vs. 1,70 % — das ist der Zinsabstand zwischen ING und Commerzbank im Mai 2026. Dieser Vergleich rechnet beide Angebote durch — ohne Marketingsprache, mit echten Zahlen — und zeigt, wann der scheinbar klare Sieger die falsche Wahl ist.

Advertising

TL;DR

  • Die ING zahlt 3,20 % p.a. für Neukunden, aber nur für 4 Monate und maximal 250.000 Euro.
  • Wenn der Aktionszeitraum endet, fällt der ING-Zins auf 0,75 % — wer das ignoriert, verliert real Geld.
  • Vergleiche den effektiven Jahreszins über deine geplante Anlagedauer, nicht den beworbenen Spitzenzins.

Was bietet die ING beim Tagesgeld aktuell?

Die ING hat ihren Tagesgeld-Aktionszins für Neukunden auf 3,20 Prozent für vier Monate erhöht. Das Produkt heißt intern Extra-Konto und ist kostenfrei. Der Zinssatz gilt für Einlagen bis 250.000 Euro und wird vier Monate fest garantiert.

Nach Ende der viermonatigen Zinsgarantie gilt ein variabler Zinssatz — aktuell liegt dieser bei 0,75 Prozent p.a. Bestandskunden, die kein Geld von einer anderen Bank einzahlen, erhalten weiterhin diesen variablen Basis-Zinssatz.

Das ist die entscheidende Stelle, die viele Sparer übersehen. Der zeitlich begrenzte Neukundenzins sorgt in Kombination mit dem niedrigeren Anschlusszins dafür, dass die Rendite pro Jahr sinkt, wenn die Anlagedauer den Zeitraum der Zinsgarantie überschreitet. Wer 10.000 Euro für zwölf Monate anlegt, bekommt eben nicht 3,20 Prozent — sondern vier Monate zu 3,20 % und acht Monate zu 0,75 %, was einem effektiven Jahreszins von ungefähr 1,57 % entspricht. Das ist die Zahl, die zählt.

Die Kontoführung ist kostenfrei, Ein- und Auszahlungen sind jederzeit möglich, und das angelegte Geld ist über die deutsche Einlagensicherung und den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken geschützt. Die Zinsgutschrift erfolgt nicht monatlich, sondern erst am 31. Dezember — wer im Mai eröffnet, wartet sieben Monate auf seine erste Ausschüttung.

Was bietet die Commerzbank beim Tagesgeld aktuell?

Unter dem Produktnamen Topzinskonto Plus bietet die Commerzbank derzeit eine Aktion für Bestands- und Neukunden an. Für Gelder, die in den vergangenen sechs Monaten nicht auf einem Konto bei der Commerzbank AG angelegt waren, bietet die Bank einen Aktionszins von 1,70 Prozent für neues Geld sowie 0,75 Prozent für bestehendes Guthaben.

Drei Unterschiede zur ING fallen sofort auf. Erstens: Der Satz gilt für maximal 12 Monate und für Summen von bis zu 1.000.000 Euro — die sechsmal höhere Einlagengrenze macht das Angebot für Großanleger deutlich attraktiver. Zweitens: Zinsen werden vierteljährlich gutgeschrieben und direkt auf das Tagesgeldkonto überwiesen, wo sie wieder verzinst werden (Zinseszinseffekt).

Drittens — und das ist der kritische Haken: Es gibt keine Zinsgarantie. Variabel bedeutet, dass die Commerzbank den Zinssatz jederzeit ohne Vorankündigung ändern kann. Das Geld ist durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro abgesichert; darüber hinaus schützt der freiwillige Einlagensicherungsfonds (ESF) des Bundesverbandes deutscher Banken Gelder natürlicher Personen bis zu drei Millionen Euro.

ING vs. Commerzbank: Der direkte Zinsvergleich auf einen Blick

Hier die Übersicht der wichtigsten Unterschiede — die Zahlen dahinter werden in den nächsten Abschnitten konkret durchgerechnet:

MerkmalING Extra-KontoCommerzbank Topzinskonto Plus
Aktionszins3,20 % p.a.1,70 % p.a.
Laufzeit Aktionszins4 Monate (fest)12 Monate (variabel)
Anschlusszins0,75 % p.a.0,75 % p.a.
Max. Einlage zum Aktionszins250.000 €1.000.000 €
ZinsgutschriftJährlich (31.12.)Vierteljährlich
ZinsgarantieJa (4 Monate)Nein
Für BestandskundenNeinJa

Stand: Mai 2026. Konditionen können sich ändern — vor Antrag beim Anbieter prüfen.

Was kostet dich der Anschlusszins wirklich?

Das ist die Rechnung, die niemand in der Werbung zeigt. Nehmen wir 20.000 Euro als Anlagesumme und eine Haltedauer von 12 Monaten.

ING-Szenario: Vier Monate zu 3,20 % ergibt 213 Euro Zinsen. Acht Monate zu 0,75 % ergibt weitere 100 Euro. Gesamtertrag: rund 313 Euro. Effektiver Jahreszins: ca. 1,57 %.

Commerzbank-Szenario: Zwölf Monate zu 1,70 % ergibt 340 Euro — vorausgesetzt, der variable Zins bleibt stabil. Effektiver Jahreszins: 1,70 %.

Bei einer Anlagedauer von 12 Monaten schlägt die Commerzbank die ING um rund 27 Euro auf 20.000 Euro. Das klingt nach wenig, aber der Grundsatz gilt: Wer plant, sein Geld länger als vier Monate zu parken, fährt mit der Commerzbank aktuell besser — sofern der variable Zins nicht gesenkt wird.

Für kürzere Anlagehorizonte oder für Tagesgeld-Hopper (also Sparer, die nach vier Monaten zur nächsten Bank wechseln) ist die ING klar vorne. Es lohnt sich daher, das Konto bei Nichtnutzung aktiv zu kündigen, um die Chance auf den Neukundenstatus in der Zukunft zu wahren.

Wer gilt eigentlich als Neukunde?

Die Neukunden-Definition ist bei beiden Banken ähnlich, aber nicht identisch — und das hat praktische Konsequenzen.

Als Neukunde gilt bei der ING, wer in den vergangenen zwölf Monaten kein Tagesgeldkonto bei der Bank hatte. Andere Quellen nennen sechs Monate — die ING-Konditionen sollten vor Antrag direkt beim Anbieter geprüft werden, da sich die Fristen gelegentlich ändern.

Jeder kann das Commerzbank Topzinskonto Plus eröffnen — sowohl Neu- als auch Bestandskunden. Man braucht ein bestehendes Girokonto (kann auch bei einer anderen Bank sein) und muss die “Frisches Geld”-Bedingung erfüllen: Das Geld darf in den letzten 6 Monaten nicht auf Konten der Commerzbank-Gruppe gelegen haben. Wer also comdirect-Kunde ist, muss aufpassen — comdirect gehört zur Commerzbank-Gruppe.

Der entscheidende Unterschied: Bei der Commerzbank können auch langjährige Bestandskunden den Aktionszins auf frisches Geld erhalten — das ist bei der ING nicht möglich. Ein Commerzbank-Girokonto-Inhaber, der bisher kein Tagesgeld dort hatte, bekommt die 1,70 % ohne Weiteres.

Wie wirkt der EZB-Leitzins auf beide Angebote?

Die Europäische Zentralbank hat bei ihrer Sitzung am 30. April 2026 den Leitzins erneut konstant gehalten. Der für Zinssparer wichtige Einlagensatz beträgt weiterhin 2,00 Prozent — es ist die siebte Zinspause in Folge.

Die ING liegt mit ihrem Neukundenzins rund 1,20 Prozentpunkte über dem EZB-Einlagensatz — ein klares Statement im Wettbewerb um neue Kundeneinlagen. Die Commerzbank liegt mit 1,70 % hingegen unter dem EZB-Einlagensatz, was zeigt, wie unterschiedlich beide Banken auf das gleiche Zinsumfeld reagieren.

Sollte die EZB am 11. Juni 2026 die Zinsen anheben, schützt die ING-Zinsgarantie für vier Monate vor sofortigen Anpassungen nach unten. Für Commerzbank-Kunden ist das Gegenteil möglich: Steigt der Wettbewerbsdruck, könnte die Bank ihren variablen Aktionszins kurzfristig senken — ohne Vorankündigung. Wer einen festen Planungshorizont braucht, hat bei der ING für die ersten vier Monate die bessere Kalkulationsgrundlage.

Gibt es bessere Alternativen zu beiden?

Ehrlich gesagt: ja. Aktuell beste Aktionszinsen am Markt liegen bei 3,5 Prozent pro Jahr bei der Raisin Bank (für drei Monate) und 2,8 Prozent pro Jahr bei 1822direkt (für sechs Monate).

Im direkten Marktvergleich positioniert sich das Commerzbank Tagesgeld im unteren Mittelfeld. Laut Bundesbank (Zinsstatistik, April 2026) liegt der durchschnittliche Zinssatz für täglich fällige Einlagen privater Haushalte bei rund 1,93 % p.a. — die Commerzbank liegt mit 1,70 % damit sogar unter dem Marktdurchschnitt.

Wer Sicherheit über Rendite stellt und einen großen Betrag über 250.000 Euro parken möchte, profitiert bei der Commerzbank von der hohen Einlagensicherung bis zu 3 Millionen Euro. Das ist ein echter Vorteil gegenüber kleineren Direktbanken, die nur die gesetzliche Mindestabsicherung bieten.

Für wen lohnt sich welches Konto wirklich?

Die Antwort hängt von drei Variablen ab: Anlagedauer, Betrag und Bereitschaft zum Bankwechsel. Ledige Sparer mit weniger als 1.000 Euro Zinsen pro Jahr sollten außerdem sicherstellen, dass ein Freistellungsauftrag bei der jeweiligen Bank eingerichtet ist — bei beiden Anbietern über das Online-Banking möglich, und der Sparerpauschbetrag 2026 beträgt 1.000 Euro für Ledige bzw. 2.000 Euro für gemeinsam veranlagte Ehepaare.

Das ING Extra-Konto passt für dich, wenn du das Geld maximal vier bis fünf Monate parkst, dein Anlagebetrag unter 250.000 Euro liegt und du aktiv Tagesgeld-Hopping betreibst. Die feste Zinsgarantie macht die Planung einfach — du weißt genau, was du bekommst, und kannst den Wechsel zum nächsten Anbieter terminieren.

Das Commerzbank Topzinskonto Plus ist die bessere Wahl, wenn du das Geld 6 bis 12 Monate anlegen möchtest, bereits Commerzbank-Bestandskunde bist und frisches Geld einbringst, oder wenn dein Anlagebetrag über 250.000 Euro liegt. Die vierteljährliche Zinsgutschrift und der Zinseszinseffekt gleichen einen Teil des Zinsnachteils gegenüber der ING aus — allerdings nur, solange der variable Satz stabil bleibt.

Tagesgeld Vergleich ING Extra-Konto vs Commerzbank Topzinskonto Plus Zinsen 2026

Fazit

Die ING gewinnt den Kurzfrist-Vergleich klar: 3,20 % für vier Monate ist das stärkste Angebot unter den deutschen Großbanken mit gesicherter Einlage. Wer aber plant, sein Geld ein Jahr liegen zu lassen, fährt mit der Commerzbank effektiv besser — trotz des niedrigeren Zinssatzes. Mein konkreter Rat: Berechne deinen effektiven Jahreszins auf Basis deiner tatsächlichen Anlagedauer, nicht auf Basis des beworbenen Spitzenzinses. Die Konditionen können sich mit dem nächsten EZB-Entscheid am 11. Juni 2026 verschieben — prüfe die aktuellen Angebote direkt beim Anbieter vor der Eröffnung.

Häufig gestellte Fragen

  1. Welche Bank zahlt aktuell mehr Zinsen aufs Tagesgeld, ING oder Commerzbank?
    Die ING zahlt mit 3,20 % p.a. für Neukunden deutlich mehr, aber nur für 4 Monate. Die Commerzbank bietet 1,70 % für bis zu 12 Monate.

  2. Kann ich als Commerzbank-Bestandskunde den Aktionszins bekommen?
    Ja, sofern das eingezahlte Geld in den letzten 6 Monaten nicht bei Commerzbank, comdirect oder Onvista lag. Frisches Geld von außen reicht aus.

  3. Was passiert bei der ING nach den 4 Monaten Aktionszins?
    Der Zinssatz fällt auf den variablen Basiszins von aktuell 0,75 % p.a. Wer dann nicht wechselt, verliert erheblich an Rendite.

  4. Ist mein Geld bei ING und Commerzbank gleich sicher?
    Beide sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Person abgesichert. Die Commerzbank bietet darüber hinaus freiwilligen Schutz bis zu 3 Millionen Euro über den ESF.

  5. Lohnt sich Tagesgeld-Hopping zwischen ING und Commerzbank?
    Theoretisch ja: ING für 4 Monate zum Höchstzins, dann Geld abziehen und bei der Commerzbank als frisches Geld einzahlen. Praktisch erfordert das Disziplin und regelmäßige Marktbeobachtung.